JAZZIT / "DIE RESONANZ" UND OTTO LECHNER
Was Johannes mit Kepler zu tun hat
Längst hat Johannes Steiner, Mastermind der Worldmusic-Formation "Die Resonanz” seinen Platz in der Musikszene gefunden. Doch richtig daheim war er, gemeinsam mit Otto Lechner, am Donnerstag (12.11.) im JazzIt.
Steiner war in jüngeren Tagen und ist auch heute noch gern an seinem Zweitinstrument Trompete als unverzichtbarer Diskant-Geber für Bläser-Sections gebucht. Aber nach vielen aktiven Wanderjahren durch die alpenländischen Volksmusik ebnete sein Interesse für osteuropäische Musik den Weg zur Wieder-Taufe des Johannes in "Stanonczi” - nun an der Diatonischen Harmonika. Stanonczis Band "Die Resonanz” gibt es seit gut drei Jahren. An seiner Seite: Robert Kainar, Nobert Asen und nun als Gast Otto Lechner.
An diesem Abend bewies der Mann mit dem etwas sperrig zu lesenden Künstlernamen auch, dass er etwas von Astronomie versteht: Das in unseren Breiten oft vertretene Ptolemäische Welt(musik)bild, demnach Balkan-Sound von Jazzharmonie- und Electrogroove-Trabanten schüchtern umkreist wird, ersetzt Stanonczi - wie es sich für künstlerisch integre Persönlichkeiten gehört - durch ein eigenes Weltbild. In dem steht der Künstler im Mittelpunkt des Geschehens.
Natürlich spielte - sonst wäre es wohl nicht Stanonczi - die slowenische Folklore mit ihren Weiß- der-Himmel-Taktarten (die trotzdem tanzbar sind) eine gewichtige Rolle. Doch auch Einflüsse aus irischer wie jiddischer Musik machten aus dem Konzertabend eine wahrlich meilenreiche Reise in der Welt der Worldmusic.
Otto Lechner, Akkordeonist, Bürgermeister der Augartenstadt und Errichter der "Fleckerlteppich- Flagge" war - so Steiner - sehr wohl als Gast, nicht aber als "Feature" am Gelingen des Abends beteiligt. Freundschaft ist also doch hörbar.
Kennen gelernt hatten sich die beiden Musiker bei einem Akkordeon-Festival, und da die Chemie stimmte, machte man sich daran, Lechner als Tasten-Alter-Ego in die Musik Steiners ein zu binden. Wo beim Konzert einerseits ein kurzweiliges Verwirr- und Suchspiel der Töne zwischen den beiden Quetsch-Instrumenten entstand, lieferten sich bei beiden Protagonisten andererseits gegenseitig und abwechselnd Klangteppiche, um dem jeweiligen Gegenspieler Platz und Ort zur Entfaltung Solieren zu geben.
Steiner sorgte außerdem für die klangliche Basis. Die Bässe der Harmonika, die sich Ton für Ton wie aus einem Geburtskanal aus dem Instrument ins Freie quetschten, sorgten für die gehörige Erdigkeit.
Das Gros der rhythmischen Arbeit oblag jedoch Robert Kainar. Der Percussionist und Schlagzeuger schien mit Hybridantrieb unterwegs, ausgestattet mit Drumset und einer Unzahl an percussiven Möglichglichkeiten bis zum Quietschentchen.
Die Resonanz” wäre auch nicht denkbar ohne
Norbert Asen, der zwischen
Altsaxophon, Tenorsaxophon und Klarinette wechselnd die Reise nicht nur lyrisch
- melodiösen und solistisch unterstützte, sondern ab un an den Schatten von Rabbi
Jakob auferstehen ließ - ohne jede orts - und kulturunkenntliche Peinlichkeit.
Bemerkenswert die feine, dem Naturklang der Instrumente den Vorrang gebende Tonabmischung.
Otto Lechner sinngemäß über den Kollegen:
Johannes Steiner sei der zur Zeit interessantesten Komponisten für Akkordeon-Musik. Recht hat er. Stanonczi ist zu Hause.
Dreh Punkt Kultur 13.11.2009 von Per Peterson
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